Abschlussbericht: Manuel Washausen

FIGHTING IS NO OPTION

Eine fachübergreifende Ausstellung in einem von Studentinnen der Kunstwissenschaft organisierten Ausstellungsprojekt, gefördert durch die zentrale Vergabestelle von Studiengebühren, dem Fördererkreis und den dezentralen Studienbeiträgen des IKW der HBK Braunschweig.

Am 11.11.2010 eröffnete um 19 Uhr die galerieherzblut ihre Pforten für die Vernissage der Ausstellung FIGHTING IS NO OPTION. Eine nicht unpolitische Stellungnahme eines jungen Leipziger Medienkunst-Studenten und -Künstlers zu Themen wie Zeit, Geld und Überwachung. So oder so ähnlich beschreibt es die Einladungskarte. Auf der Frontseite der Karte ist bereits ein Ansatz der künstleischen Arbeit image/trophy zu erkennen: eine digitalisierte Skizze zeigt eine güldene Uberwachungskamera auf einem Gehörnbrett, wie wir es von Jagdtrophäen kennen. Über das Erscheinungsbild der Einladungskarte entscheidet hauptsächlich der Künstler selbst. Folglich ist das immer wiederkehrende Logo der galerieherzblut auf dieser Einladungskarte in viergeteilter Form, je eines in jede der vier Ecken der Karte gesetzt, zu sehen. Legt man eine größere Fläche aus den Karten zusammen, erscheint das Logo jeweils wieder zusammengesetzt.

Der Aufbau der Ausstellung begann ca. eine Woche vor der Ausstellungseröffnung und gestaltete sich im Nachhinein betrachtet als etwas ernüchternd aber sehr aufschlussreich, insbesondere was die Zusammenarbeit mit dem Künstler angeht. Dem Projektantrag sind sechs feststehende künstlerische Arbeiten, darunter eine Interaktion zu Ausstellungseröffnung, zu entnehmen. Aus diesen genannten Arbeiten wurden fünf realisiert, hinzu kamen weitere vier künstlerische Arbeiten Washausens: Ein Video für meine Generation, ein gerahmtes iPhone, das Apple-Wartesymbol zeigend und den Song 'Watching the wheels' von John Lennon spielend wollte uns die Situation der ungeduldigen und dennoch ständig wartenden jungen-Erwachsenen-Situation wiederspiegeln.

Eine Serie von deformierten, bzw. verfremdeten Geldscheinen dokumentierte die experimentelle Arbeit des Künstlers mit Geld. Gezeigt wurden Der Heilige Schein (100€-Schein mit der Aufschrift 'Der Heilige Schein' auf weihnachtlichem Platzset liegend), Der schwarze Schein (5€-Schein, schwarzangemalt, zu sehen ist nur noch die Struktur des Scheins), und drei weitere Geldscheine, die beschriftet oder experimentell verändert wurden.

Neben der Selbst-Stempel-Station klärte ein überdimensionaler, an der Wand hängender Brief eines Anwalts, über die Rechte des Verbrauchers bezüglich der Möglichkeiten des Umgangs mit seinen Geldscheinen auf.

Schlussendlich wurde eine weitere großformatige Wandarbeit vom Künstler angefertigt: Die Arbeit mit dem Titel Flag, eine von Hand gefertigte hellblaue Flagge mit einer aufgenähten verschmutzten weißen Taube mit einem Geldschein im Schnabel symbolisiert auf dem Uno-Blau der Flagge: was vor langer Zeit der Ölzweig im Schnabel der Taube bedeutete, nämlich materielle Freiheit und daraus resultierenden Frieden, ist heute dem Geld zugeschrieben. Ein ironischer Vorschlag über eine Neufassung der Uno-Flagge.

Durch ein sich änderndes Ausstellungskonzept und die Werksliste des Künstlers, waren Galeristinnen und Künstler vor eine Herausforderung gestellt. Hier waren Kompetenzen, wie das Durchsetzungsvermögen und die Kommunikationskraft und die Flexibilität des ganzen Teams gefragt. Es entstand eine vielleicht nicht ganz reibungslose, dafür aber sehr intensive und ehrliche Zusammenarbeit, die ihre Früchte weiter hinausträgt als eine reibungslose Zusammenarbeit, die neben, anstatt mit dem Künstler gemeinsam statt findet. Aus dieser Arbeitsweise ist ein enormer Erfahrungswert für das gesamte Team, insbesondere für die Kuratorin dieser Ausstellung (Viktoria Kramer) und ein sehr gutes und für alle zufriedenstellendes Ausstellungsergebnis entstanden.

Die geplante künstlerische Intervention des Künstlers zur Vernissage wurde ebenfalls realisiert: Der Ausstellungsraum wurde vor der Eröffnung dank einer Nebelmaschine vollständig in Nebel eingehüllt, eine weitere Lichtmaschine im Galerieraum erzeugte einen besonderen Visuellen Effekt. Einleitend für die Begrüßungsrede konnte eine andere kleine Interaktion zwischen Kuratorin und Künstler mit den Besuchern als Zuschauer realisiert werden, unter welcher die Deckeninstallation, bestehend aus 100 5€-Scheinen von der Decke herunterhängend, durch den letzten 5€-Schein vervollständigt wurde. Die Deckeninstallation entstand ebenfalls während er Aufbau-Arbeiten und ist nicht zwingend als eigenständiges Kunstwerk zu betrachten, sondern eher als konzeptuelle Konsequenz, abgeleitet von der vorherigen Ausstellung WWW, welche noch die übriggebliebenen Nylonseile von der Decke hängend darbot.

Die Ausstellung wurde am 19.12.2010 mit einer kleinen Finissage abgeschlossen und zählte ausgenommen der Vernissage und Finissage 32 Besucher.

Auch wurde die Ausstellung seitens der Presse durch Ankündigungen sowohl im Braunschweiger Kulturkalender und in der Zeitschrift Braunschweig bietet, als auch auf diversen anderen online-Kulturkalendern und Homepages unterstützt.

Das Galeriekonzept konnte zu einem äußerst befriedigenden Maße realisiert und eingehalten werden: Die Einladungskarten wurden zum großen Teil selbstständig vom Künstler oder in Zusammenarbeit mit dem Galerie-Team gestaltet. Es wurden sichtbare Spuren aus der vorherigen Ausstellung übernommen und in das neue Ausstellungskonzept einbezogen (Deckeninstallation). Während der Ausstellung wurde des Weiteren die braunschweiger Künstlergruppe Artmops eingeladen und es wurde ein Advents-Lesezirkel veranstaltet. Auch der Anspruch der Interdisziplinarität konnte durch die direkte Zusammenarbeit mit dem Künstler, dessen Präsenz an Vernissage und Finissage und Darbietung einer Diskursiven Plattform für und zwischen Künstler, KunstwissenschaftlerIn und jedem/r Interessierten durch die galerieherzblut, erfüllt werden. Durch Vertretung eines Leipziger Künstlers durch die galerieherzblut ist es nun gelungen einen weiteren nicht aus Braunschweig stammenden Künstler den StudentInnen und InteressentInnen der Stadt zu präsentieren. Das Konzept der und die galerieherzblut selbst ist nach wie vor erwünschterweise durch zusätzliche Kooperationen und weitere Studiengänge erweiterbar. Geplant ist eine Etablierung der galerieherzblut als einer, zwischen Hochschulen, bzw. jungen Künstlerinnen und Interessierten jeder Herkunft und Altersklasse vermittelnden Instanz. Sie ist zum Schaufenster zur oft verdeckten Hochschul- und jungen Kunstszene geworden.